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Abfindung clever genutzt

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Als die Krise der Automobilindustrie auch den Zulieferer Leopold Kostal GmbH & Co. KG erfasste, standen viele Beschäftigte vor einer ungewissen Zukunft. Für den Lüdenscheider Wladislaw Schenk wurde diese Situation zum Wendepunkt – und zum Startschuss für die eigene Firma.Heute führt der 28-Jährige seine Gebäudereinigung Schenk und denkt bereits über den nächsten Schritt nach: Wachstum.


Der Schritt ins kalte Wasser


Drei Jahre lang arbeitete Schenk bei Kostal, bevor sich die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zuspitzte. Am Standort Lüdenscheid wurden Produktionsbereiche geschlossen, Arbeitsplätze gerieten unter Druck.Schenk wollte nicht abwarten, bis die Kündigung möglicherweise von selbst kommt. Stattdessen entschied er sich aktiv für einen Aufhebungsvertrag. Die Abfindung nutzte er als Startkapital – und machte sich selbstständig.


Seine Firma gründete er zunächst ganz pragmatisch: in der Garage seines Wohnhauses. Der Schritt war riskant. Aber nicht planlos. Bevor er loslegte, informierte er sich über den Markt und sprach mit regionalen Betrieben aus der Branche. Besonders wichtig war dabei die Unterstützung der Gebäudereinigung Tobias Plate. Zwischen beiden Unternehmern entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit, die bis heute anhält.


Investition in Technik statt in Büroflächen


Das vorhandene Startkapital floss direkt in Ausrüstung. Schenk investierte unter anderem in Hochdruckreiniger sowie spezielle Reinigungslanzen, mit denen sich Fassaden oder Glasflächen in größerer Höhe bearbeiten lassen – häufig ohne Leiter oder Gerüst. Zu den jüngeren Anschaffungen gehören ein Firmenfahrzeug und eine Wasserfilteranlage für die Glasreinigung. Sie erzeugt besonders reines Wasser, das beim Trocknen keine Rückstände auf Glasflächen hinterlässt. Gerade bei der Reinigung von Wintergärten, Gewächshäusern oder Photovoltaikanlagen ist diese Technik inzwischen Standard.


Vom Privatkunden zum größeren Objekt


Die ersten Aufträge kamen aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Schenk reinigte Fenster, Wintergärten oder Solaranlagen für Privatkunden. Schritt für Schritt wuchs der Kundenstamm. Mit der Zeit kamen auch gewerbliche Aufträge hinzu – etwa Treppenhäuser, Büroflächen oder größere Objekte.


Mittlerweile ist der Einsatzradius deutlich größer geworden. Schenk arbeitet nicht mehr nur in Lüdenscheid und Umgebung, sondern betreut auch Kunden im Ruhrgebiet. Noch erledigt er alle Arbeiten allein, doch die Nachfrage steigt. Entsprechend denkt er darüber nach, künftig Mitarbeiter einzustellen.


Saisonale Nachfrage als Geschäftsmodell


Ein Teil seines Geschäfts folgt dem Rhythmus der Jahreszeiten. Glas- und Fassadenreinigungen etwa werden häufig dann beauftragt, wenn die stärkste Pollenbelastung im Frühjahr vorbei ist.


Auch Photovoltaikanlagen werden zunehmend gereinigt – ein Marktsegment, das mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wächst. Für viele Betreiber lohnt sich eine professionelle Reinigung, weil Verschmutzungen die Energieausbeute messbar reduzieren können.


Der nächste Schritt: wachsen


Der Betrieb läuft derzeit noch als Ein-Mann-Unternehmen. Unterstützung gibt es lediglich im Büro: Eine Buchhalterin hilft bei der Organisation.


Langfristig hat Schenk jedoch größere Pläne. Neben der Einstellung von Mitarbeitern möchte er auch räumlich expandieren. Derzeit nutzt er lediglich einen kleinen Lagerraum. Perspektivisch soll eine eigene Halle folgen.
Ein Wegzug kam für ihn trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Region nie infrage. Während viele junge Menschen strukturschwächere Städte verlassen, will er bewusst in Lüdenscheid bleiben und dort etwas aufbauen.


Mehr als nur Reinigung


Neben klassischen Reinigungsarbeiten bietet Schenk auch zusätzliche Dienstleistungen an. Dazu gehören Gartenarbeiten, Unterstützung im Alltag für ältere Nachbarn oder Winterdienste. Für letztere hat er sogar eine eigene Schneefräse angeschafft.
Diese Mischung aus klassischen Gebäudedienstleistungen und praktischer Nachbarschaftshilfe hat ihm gerade am Anfang geholfen, schnell Kunden zu gewinnen.


Wenn aus einer Krise eine Chance wird


Die Geschichte von Wladislaw Schenk zeigt ein Muster, das in wirtschaftlich schwierigen Zeiten immer wieder zu beobachten ist: Krisen zerstören Arbeitsplätze – aber sie setzen auch unternehmerische Energie frei.


Für manche Menschen ist eine Abfindung schlicht eine finanzielle Brücke bis zum nächsten Job. Für andere wird sie zum Startkapital für etwas Eigenes.


Schenk gehört zur zweiten Gruppe. Die Krise seines früheren Arbeitgebers hat ihn nicht ausgebremst, sondern in Bewegung gebracht. Und genau darin liegt die vielleicht wichtigste Erkenntnis:Krisen sind selten bequem – aber sie schaffen Räume für neue Ideen. Wer den Mut hat, sie zu nutzen, kann daraus etwas Eigenes entwickeln.

 

Quelle: come-on.de
Bild: Wladislaw Schenk hat sich als Gebäudereiniger selbstständig gemacht. Das Startkapital war die Abfindung seines alten Arbeitgebers. © Thilo Kortmann

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