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Wenn der Roboter aufs stille Örtchen muss

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Toilettenreinigung gehört zu den körperlich belastenden Aufgaben in der Gebäudereinigung. In Japan soll nun ein Roboter helfen, der WC-Schüsseln selbstständig säubert. Auch andere Anbieter arbeiten daran, Reinigungsarbeiten zu automatisieren.
Der Fachkräftemangel macht auch vor dem stillen Örtchen nicht halt. Gerade dort allerdings lässt sich Reinigung kaum verschieben. Toiletten in Einkaufszentren, Bahnhöfen, Bürogebäuden oder Hotels müssen sauber sein – und zwar nicht irgendwann, sondern regelmäßig.


Das japanische Unternehmen IWITH Robotics will deshalb eine besonders unbeliebte Aufgabe automatisieren: die Reinigung von Toilettenschüsseln. Der Toilettenreinigungsroboter T1 soll in Japan bis Ende 2026 auf den Markt kommen. Nach Unternehmensangaben reinigt das Modell westliche Toiletten automatisch, sofern die Kabine groß genug für das Gerät ist. Genannt werden Maße von 621 × 520 × 156 Millimetern.


Das System arbeitet mit einem beweglichen Roboterarm, verschiedenen Bürstenköpfen, visueller Positionierung, Frischwassertank, Reinigungsmitteltank und elektrolysiertem Wasser zur Desinfektion. Laut Produktinformation deckt der Roboter 99 Prozent der relevanten Reinigungsbereiche ab – darunter Bedienfeld, Sitz, Verbindungsbereiche, Innenwand und Seitenflächen.


Erst vermessen, dann geschrubbt


Für die Entwicklung ließ IWITH Toiletten an rund 530 Standorten in Japan vermessen. Geschäftsführerin Wang Chi arbeitete zudem selbst nachts in der Reinigung eines Einkaufszentrums mit, um die Abläufe besser zu verstehen. Der Roboter wurde also nicht am grünen Labortisch erdacht, sondern ganz praktisch vor Ort.
Das Gerät wird vor der Toilettenschüssel positioniert. Eine rotierende Bürste reinigt zunächst die Innenseite der Schüssel, anschließend wechselt der Roboter den Bürstenkopf. Je nach Bereich kommen unterschiedliche Reinigungswerkzeuge zum Einsatz, damit hygienisch sensible Kontaktflächen und weniger sensible Außenbereiche nicht mit derselben Bürste bearbeitet werden. Auch enge Kabinen wurden bei der Entwicklung berücksichtigt. Das aktuelle Modell soll kleiner sein als frühere Prototypen und die Reinigung deutlich schneller erledigen.


Entlastung statt Ersatz


Der Ansatz ist bewusst arbeitsteilig. Die Reinigungskraft stellt den Roboter vor die WC-Schüssel. Während das Gerät Schüssel und Sitz säubert, übernimmt der Mensch die übrigen Arbeiten: Boden, Waschbecken, Spiegel, Händetrockner, Abfallbehälter und Toilettenpapier.
Der Roboter übernimmt also den gebückten, körperlich unangenehmen Teil. Die Reinigungskraft bleibt für alles zuständig, was Erfahrung, Überblick und situatives Handeln erfordert.


Warum gerade Toiletten?


In Japan ist der Anspruch an öffentliche Toiletten hoch. Laut einer Befragung des japanischen Infrastrukturministeriums nannten 75 Prozent der Frauen und 67 Prozent der Männer Sauberkeit als wichtigstes Kriterium bei der Nutzung einer Toilette außerhalb der eigenen Wohnung. Gleichzeitig meldet die Gebäudereinigungsbranche große Schwierigkeiten bei der Personalsuche.
Hinzu kommt: Viele Reinigungskräfte sind älter, ein Teil von ihnen dürfte in den kommenden Jahren aus dem Beruf ausscheiden. Toilettenreinigung ist zudem körperlich belastend, weil viele Handgriffe in gebückter oder hockender Haltung erfolgen – häufig unter Zeitdruck und in engen Räumen. Genau hier kann Robotik sinnvoll sein: nicht als Spielerei, sondern als Werkzeug gegen Verschleiß.


Weitere Helfer auf dem Robotik-Markt


Der Toilettenroboter aus Japan ist nur ein Beispiel. Der Markt für Reinigungsrobotik entwickelt sich längst in verschiedene Richtungen. Einige Systeme reinigen Böden, andere kümmern sich um komplette Waschräume oder große Logistikflächen.
Der US-Anbieter Somatic entwickelt autonome Badezimmer-Reinigungsroboter für stark frequentierte Sanitärbereiche. Der BCR soll unter anderem Toiletten, Urinale und Böden reinigen, Türen öffnen, Abfall aufnehmen, Wasser und Chemikalien nachfüllen sowie selbstständig zur Ladestation zurückkehren.


Für klassische Bodenflächen gibt es bereits zahlreiche Lösungen. Der Kärcher KIRA BD 50 ist ein Scheuersaugroboter für mittlere bis große Hartbodenflächen. Optional kann eine Dockingstation Frischwasser befüllen, Schmutzwasser entleeren, den Tank spülen und die Batterie laden. Statusmeldungen und Reinigungsberichte lassen sich digital abrufen.


Gausium Phantas setzt auf Vielseitigkeit. Der kompakte Roboter kombiniert Saugen, Kehren, Scheuern und Staubwischen. Gedacht ist er für kleine bis mittlere Gewerbeflächen mit unterschiedlichen Bodenarten. Interessant ist auch der Wechsel zwischen autonomem und manuellem Betrieb über einen integrierten Griff.
Tennant bietet mehrere autonome Scheuersaugmaschinen an, darunter X4 ROVR, T380AMR, T7AMR und T16AMR. Je nach Modell eignen sich die Geräte für kleinere Bereiche, enge Flächen, große Verkaufsflächen, Flughäfen, Hochschulen oder Logistikzentren.


Auch Nilfisk Liberty SC50 und SC60 zielen auf autonome Bodenreinigung in stark frequentierten Gebäuden. Als Einsatzbereiche nennt Nilfisk unter anderem Lagerhallen, Flughäfen, Schulen und Supermärkte.
Roboter mit Bürste, Mensch mit Verstand


Der Toilettenroboter von IWITH zeigt, wohin die Reise gehen könnte: weg von der Vorstellung, dass ein Roboter gleich das komplette Reinigungsteam ersetzen muss, hin zu spezialisierten Helfern für besonders belastende Tätigkeiten.
Für Gebäudedienstleister wird solche Technik vor allem dann interessant, wenn sie zuverlässig reinigt, sich unkompliziert in bestehende Abläufe einfügt und wirtschaftlich sinnvoll ist. Denn am Ende zählt nicht, ob ein Roboter niedlich blinkt. Entscheidend ist, ob er Qualität stabilisiert, Personal entlastet und Zeit für Aufgaben freimacht, bei denen menschliche Erfahrung weiterhin unverzichtbar ist.


Oder kurz gesagt: Wenn schon kaum jemand gern Toilettenschüsseln schrubbt, darf es künftig vielleicht einer tun, der dabei weder Rücken noch Würde verliert.

 

Symbolbild, generiert mit KI

 

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