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Vertrauen im Keller, Gespräche abgebrochen

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Die Fronten in der Gebäudereinigung verhärten sich. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt reagiert mit deutlichem Unverständnis auf den Abbruch der Gespräche zur Einführung einer Jahressonderzahlung. Die Arbeitgeberseite des Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks hat die Verhandlungen beendet – mit der Begründung, es gebe keinen finanziellen Spielraum, zudem lasse sich eine Sonderzahlung den Kunden nicht vermitteln.


Für die IG BAU ist das ein klarer Wortbruch. Noch in der vergangenen Tarifrunde hatten die Arbeitgeber zugesichert, über eine Jahressonderzahlung zu verhandeln. „Damit lassen die Arbeitgeber das Vertrauen der Beschäftigten im sprichwörtlichen Keller stehen“, sagt Ulrike Laux, Vorstandsmitglied der IG BAU und Verhandlungsführerin. Tarifverhandlungen lebten von Verlässlichkeit – wer Zusagen mache und sie später einkassiere, beschädige das Fundament der Branche.


Unverzichtbar – aber oft unsichtbar


Dass ausgerechnet in der Gebäudereinigung über Wertschätzung gestritten wird, ist kein Zufall. Die Branche lebt von Menschen, die frühmorgens, nachts oder am Wochenende arbeiten – häufig allein, häufig unter Zeitdruck. Sie reinigen Schulen, Krankenhäuser, Büros, Bahnhöfe. Ohne sie steht der Betrieb still. Sichtbar wird ihre Arbeit meist nur dann, wenn sie nicht erledigt wird.


„Sauberkeit gibt es nicht zum Nulltarif“, sagt Laux – ein Satz, der in einer Branche, die seit Jahren unter massivem Preisdruck steht, fast schon erklärungsbedürftig wirkt. Denn viele Reinigungsunternehmen kalkulieren extrem knapp, öffentliche Ausschreibungen gehen oft an den günstigsten Anbieter, nicht an den besten. Spielräume für zusätzliche Leistungen sind dadurch real – aber auch politisch gewollt – begrenzt.


Jahressonderzahlung: keine neue Idee


Die Forderung nach einer Jahressonderzahlung ist alles andere als neu. Seit über zehn Jahren steht sie im Raum, in vielen anderen Branchen ist sie längst Standard. In der Gebäudereinigung dagegen gilt sie noch immer als Luxus. Dass Arbeitgeber nun argumentieren, den Beschäftigten mache das Fehlen einer Sonderzahlung „nichts aus“, empört die Gewerkschaft besonders. Für Laux ist das „ein Schlag ins Gesicht“ derjenigen, die tagtäglich dafür sorgen, dass Hygiene- und Sicherheitsstandards eingehalten werden.


Fachkräftemangel trifft Realität


Offiziell erklären Arbeitgebervertreter, man habe trotz Arbeitskräftemangels keine Probleme, Personal zu finden. In den Betrieben klingt das oft anders. Viele Beschäftigte verlassen die Branche, weil Perspektiven fehlen – finanziell wie strukturell. Hohe körperliche Belastung, wenig Anerkennung und kaum Entwicklungsmöglichkeiten sind ein bekanntes Problem.
„Man kann nicht weiter am Fundament sparen und erwarten, dass das Haus stabil bleibt“, warnt Laux. Wer Fach- und Arbeitskräfte halten wolle, müsse zeigen, dass ihre Arbeit etwas wert sei – nicht nur mit Dankesworten, sondern auch auf der Lohnabrechnung.


Gesprächsbereit – aber ohne Echo


Die IG BAU betont, dass sie kompromissbereit sei. Auch ein stufenweiser Einstieg in eine Jahressonderzahlung sei denkbar. „Wir haben Brücken gebaut“, so Laux. „Die Arbeitgeber haben sich entschieden, sie nicht zu betreten.“


Damit bleibt vorerst ein Konflikt, der über die konkrete Zahlung hinausgeht. Es geht um Glaubwürdigkeit, um Planungssicherheit – und um die Frage, wie attraktiv die Gebäudereinigung als Arbeitgeber in Zukunft sein will.

 

Bild: ©IG Bau

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