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Schüler an den Wischmopp – CDU-Bürgermeister will Klassenzimmer von Kindern putzen lassen

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 Schwäbisch Gmünd. Wenn’s ums Sparen geht, ist offenbar kein Gedanke zu absurd: Der CDU-Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Richard Arnold, hat vorgeschlagen, dass Schülerinnen und Schüler ihre Klassenzimmer künftig wieder selbst reinigen sollen – also nicht nur mal kurz aufräumen, sondern richtig putzen. Mit Wischmopp, Eimer und Tatendrang. Ziel: Geld sparen. Das Reinigungspersonal könne man sich dann weitgehend sparen.


Arnold, seit 2009 im Amt und mit 66 Jahren offenbar voller pädagogischer Nostalgie, erinnerte im SWR an „frühere Zeiten“, als Kinder noch brav Tafel und Boden schrubbten. Er sei „dafür, dass das wieder eingeführt wird“. Das würde, so der Oberbürgermeister, „nicht nur die Stadtkasse entlasten, sondern auch ein Stück Verantwortung zurückgeben an Schülerinnen, Schüler und Lehrer“.


Klingt nach Werteerziehung – riecht aber stark nach Haushaltsnotstand. Denn Schwäbisch Gmünd gibt nach eigenen Angaben jährlich rund 4,5 Millionen Euro für Reinigung in Schulen, Kitas und öffentlichen Gebäuden aus. Geld, das man offenbar lieber bei Minderjährigen einspart als in der Steuerpolitik.


CDU, FDP und Co. wienern begeistert mit


Der Vorschlag sorgte landesweit für Reaktionen – und erstaunlich viel Zustimmung aus den Reihen der CDU, FDP und Teilen der Grünen.


CDU-Bildungsexperte Andreas Sturm schwärmte, Schüler lernten so „Organisation, Sorgfalt und Respekt“. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke fand die Idee immerhin so charmant, dass man „solche Aktionen“ an Schulen ruhig mal „im Benehmen mit dem Schulträger durchsetzen“ könne. Und selbst Grünen-Finanzminister Danyal Bayaz nannte Arnolds Idee „unbequem, aber ehrlich“.


Das klingt nach einem parteiübergreifenden Frühjahrsputz im Denken – oder nach einem Sozialexperiment, das sich als Reality-TV-Format verkaufen ließe: „Schwaben putzen sauber – Kinder an der Front!“


Eltern und Schüler: „Das ist kein Unterricht, das ist Ausbeutung light“


Weniger begeistert sind – Überraschung – die Betroffenen. Der Landeselternbeirat reagierte empört: Die Finanznot der Kommunen müsse „politisch gelöst werden, nicht mit Kinderarbeit“. Der Vorsitzende Sebastian Kölsch sprach von einem gefährlichen Narrativ, das Kinder als „verschmutzende Schmarotzer“ darstelle.


Auch der Landesschülerbeirat zeigte sich wenig putzwillig. Vorsitzender Joshua Meisel warnte, Pausen seien zur Erholung da, nicht zur Bodenpflege. „Müssten wir Unterrichtszeit opfern, wäre das absurd“, so Meisel. Nach Schulschluss gehe es wegen der Busverbindungen ohnehin nicht – außer natürlich, man legt noch eine Schicht drauf.


Kultusministerium: Hygienevorschriften sind kein Putzlappen
Das grün-geführte Kultusministerium stellte klar: Schüler dürfen über Sauberkeit reden, aber nicht professionell reinigen. Hygienevorschriften, Fachwissen, Reinigungsmittel – all das sei nichts für den Stundenplan.


Oder, anders gesagt: Wer Klassenzimmer schrubben lässt, riskiert nicht nur den Unmut der Eltern, sondern auch den Besuch des Gesundheitsamts.


SPD: „Willkommen zurück in den 50ern“
Für die SPD ist der Vorschlag ohnehin ein Fall fürs Museum. Landeschef Andreas Stoch kommentierte trocken: „Kommt mir vor wie eine Zeitreise in die 50er oder 60er Jahre.“ Für die Reinigung gebe es heute zum Glück Fachkräfte – und die wolle man nicht durch Kinder ersetzen.


Grünen-Bildungsexperte Thomas Poreski ergänzte sarkastisch, dann könnten ja auch Kita-Kinder und Altenheimbewohner gleich mitputzen.


Und was wird aus den Reinigungskräften?


Die, die bisher für Sauberkeit sorgten, kommen in Arnolds Vision gar nicht mehr vor. Dabei gehören Reinigungskräfte zu den schlechtest bezahlten, am stärksten belasteten Berufsgruppen. Viele schuften frühmorgens oder spätabends – unsichtbar, aber systemrelevant.


Die Gewerkschaft ver.di spricht von einer „Frechheit gegenüber unseren Kolleginnen und Kollegen“, die seit Jahren für saubere Schulen sorgen. „Dass Schülerinnen und Schüler deren Arbeit ersetzen sollen, ist respektlos“, sagt Landesbezirksleiterin Maike Schollenberger. Schon jetzt leiden viele Kommunen unter Einstellungsstopps und Unterbesetzung. Reinigungskräfte arbeiten auf Anschlag – und werden nun auch noch durch Kinderphantasien ersetzt. Das nennt man dann wohl: prekär meets pädagogisch wertvoll.


ver.di ruft zum Protest


Unter dem Motto „Kommunen am Limit – Demokratie am Abgrund“ ruft ver.di am 8. November zur landesweiten Demonstration in Stuttgart auf. Die Botschaft: Nicht Kinder, sondern der Staat muss Verantwortung übernehmen.


Denn wenn Kommunen beginnen, ihre Haushaltslöcher mit Kinderhänden zu stopfen, dann ist nicht nur die Stadtkasse am Limit – sondern das Demokratieverständnis gleich mit.
Man könnte lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Während Milliarden in Prestigeprojekte, Aufrüstung und Bürokratie fließen, sollen Schüler künftig Verantwortung übernehmen – für den Staub auf dem Boden.


Vielleicht sollten Politiker ja mit gutem Beispiel vorangehen: Bundestag fegen, Ministerien wischen, Parteizentralen schrubben. Dann wäre wenigstens eins wieder sauber im Land – das politische Gewissen.


Quellen: News4Teachers, Evangelische Zeitung, bawue.verdi.de
Bild: Adobe Stock

 

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