Die Gebäudereinigung im Umbruch: Was Robotik, KI und Personalmangel mit der Branche machen


Vom 15. bis 17. September 2026 feiert die Clean Pro Expo in Friedrichshafen Premiere. Die neue Fachmesse will zeigen, wohin sich professionelle Reinigung und Facility Management entwickeln. Ein Blick auf Aussteller und Fachprogramm zeigt dabei vor allem eines: Die Branche sucht nicht nur nach neuen Maschinen. Sie sucht nach Antworten auf Personalmangel, Kostendruck, Digitalisierung und die Frage, wie sich gute Reinigung künftig überhaupt noch wirtschaftlich organisieren lässt.
Reinigungsroboter, künstliche Intelligenz, digitale Gerätesteuerung, nachhaltige Chemie und neue Wege bei der Mitarbeitergewinnung: Wer das Programm der ersten Clean Pro Expo betrachtet, könnte meinen, der Gebäudereinigung stehe gerade eine kleine technische Revolution bevor.
Ganz so einfach ist es natürlich nicht.
Ein Roboter beseitigt noch keinen Fachkräftemangel. Eine App macht aus einem schlecht kalkulierten Auftrag keinen guten. Und eine KI sorgt nicht automatisch dafür, dass Reinigungsleistungen plötzlich angemessen bezahlt werden.
Trotzdem zeigt die neue Fachmesse ziemlich deutlich, wo derzeit Bewegung in der Branche ist – und an welchen Stellen der Druck inzwischen so groß geworden ist, dass Unternehmen nach anderen Lösungen suchen müssen.
Die Clean Pro Expo findet vom 15. bis 17. September erstmals auf dem Messegelände in Friedrichshafen statt. Sie richtet sich insbesondere an Fachbesucher aus Süddeutschland, Österreich, der Schweiz und Norditalien. Nach Angaben der Messe werden rund 150 Unternehmen erwartet. Ausgestellt wird in den Hallen A7 und B5 sowie im Foyer und auf dem Freigelände Ost. (CLEAN PRO EXPO)
Eine neue Fachmesse für den Süden
Mit Friedrichshafen setzt der Veranstalter bewusst auf die wirtschaftsstarke Vierländerregion am Bodensee. Das ist nicht ganz unwichtig. Wer bislang eine große Reinigungsfachmesse besuchen wollte, musste aus Süddeutschland, Österreich oder der Schweiz häufig erheblich weitere Wege in Kauf nehmen.
Die Clean Pro Expo will diese Lücke schließen und sich als regionale, zugleich grenzüberschreitende Plattform etablieren. Neben Gebäudereinigung und Facility Management gehören unter anderem Industrie, Handwerk, Hotellerie, Gastronomie, Gesundheitswesen und öffentliche Einrichtungen zu den angesprochenen Besuchergruppen. (cleanpro-expo.com)
Dass sich die Messe nicht ausschließlich als Produktschau versteht, erkennt man schon an ihren thematischen Schwerpunkten. Digitalisierung, Robotik und autonome Reinigungssysteme stehen ebenso auf dem Programm wie Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeit und Strategien zur Personalgewinnung. (CLEAN PRO EXPO)
Und damit landet man ziemlich schnell bei den eigentlichen Problemen der Branche.
Robotik: Vom Hingucker zum Arbeitsmittel?
Reinigungsroboter sind längst keine exotischen Messeexponate mehr. Vor allem auf großen, strukturierten Flächen können autonome Maschinen heute Aufgaben übernehmen, für die bislang Personal gebunden wurde.
Auf der Clean Pro Expo bekommt die Technik deshalb eine eigene Demofläche in Halle B5. Dort sollen Reinigungsmaschinen und Robotiklösungen unter praxisnahen Bedingungen gezeigt werden. Für den 16. September sind beispielsweise Vorführungen von RoboPlanet mit den Pudu-Modellen CC1 Pro und MT1 Max sowie von Tennant angekündigt. (CLEAN PRO EXPO)
Das ist interessanter als ein glänzender Roboter, der regungslos auf einem Messestand herumsteht.
Denn die entscheidende Frage lautet inzwischen nicht mehr, ob autonome Reinigung technisch möglich ist. Interessanter ist, wo sie im realen Gebäudebetrieb wirtschaftlich funktioniert.
Menschen bewegen Stühle, öffnen Türen, reagieren auf unerwartete Verschmutzungen, erkennen Schäden und improvisieren. Maschinen mögen dagegen wiederkehrende Abläufe, große Flächen und möglichst berechenbare Umgebungen.
Robotik wird deshalb zumindest auf absehbare Zeit vor allem eines sein: ein zusätzliches Werkzeug.
Und genau das könnte angesichts des Personalmangels wertvoll genug sein.
Digitalisierung: Erst die Prozesse, dann die KI
Kaum eine Branche kommt derzeit ohne das Versprechen aus, künstliche Intelligenz werde praktisch alles verändern. Die Clean Pro Expo bildet da keine Ausnahme – behandelt das Thema im Programm allerdings erfreulich konkret.
Ein Vortrag trägt beispielsweise den Titel „Clean First, Smart Second“ und beschäftigt sich ausdrücklich damit, warum Unternehmen zunächst grundlegende Prozesse digitalisieren müssen, bevor KI sinnvoll eingesetzt werden kann. Ein weiterer Beitrag unter dem Titel „Make Reinigung Digital Again“ beschäftigt sich mit digitalen Lösungen für Onboarding, Mitarbeiterbindung und Fachkräftemangel. (CLEAN PRO EXPO)
Das trifft einen entscheidenden Punkt.
Wer seine Gerätebestände nicht vernünftig erfasst, Arbeitsabläufe nicht strukturiert und Informationen noch zwischen Papierzettel, Excel-Tabelle und Zuruf verteilt, wird durch KI nicht automatisch effizienter. Dann wird schlimmstenfalls nur das Chaos digital.
Wie handfest Digitalisierung werden kann, zeigt ein weiterer Programmpunkt zum digitalen Gerätemanagement. Hier geht es unter anderem darum, Suchzeiten, Gerätekosten und Ausfälle zu reduzieren. (CLEAN PRO EXPO)
Das klingt weniger spektakulär als künstliche Intelligenz. Für den Betriebsalltag könnte es allerdings erheblich relevanter sein.
Wenn die KI plötzlich Angebote kalkuliert
Deutlich weiter geht ein Vortrag am letzten Messetag. Dort wird angekündigt, komplexe Ausschreibungsprozesse mithilfe von KI weitgehend zu automatisieren – laut Programmtitel von tagelanger Handarbeit hin zu einer Kalkulation innerhalb von Minuten. (CLEAN PRO EXPO)
Das ist eine Ansage.
Gerade Ausschreibungen gehören in der Gebäudereinigung zu den arbeitsintensiven Aufgaben. Leistungsbeschreibungen müssen ausgewertet, Flächen berücksichtigt, Leistungswerte angesetzt, Personalzeiten kalkuliert und Kosten berechnet werden.
Wenn Software hier tatsächlich große Teile der Vorarbeit übernehmen kann, ist das wirtschaftlich hochinteressant.
Allerdings gilt gerade bei der Kalkulation: Schnell gerechnet ist noch lange nicht richtig gerechnet.
Eine Maschine kann Daten verarbeiten. Sie trägt jedoch nicht das Risiko, wenn ein Auftrag am Ende mit unrealistischen Leistungswerten, zu wenig Personal oder einer viel zu knappen Marge abgeschlossen wurde.
KI kann Kalkulation beschleunigen. Verantwortung abschaffen kann sie nicht.
Gute Reinigung kostet Geld
Vielleicht ist deshalb einer der unspektakulärsten Programmpunkte gleichzeitig einer der wichtigsten.
Am Mittwoch steht die „Qualitätsorientierte Vergabe von Reinigungsleistungen“ auf dem Programm. Dabei sollen Qualität und Wirtschaftlichkeit gemeinsam betrachtet werden. Hinzu kommt am Donnerstag ein Vortrag darüber, wie Reinigungsqualität sichtbar gemacht und die Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber und Dienstleister transparenter gestaltet werden kann. (CLEAN PRO EXPO)
Das klingt zunächst trocken. Tatsächlich steckt dahinter eines der Kernprobleme der Branche.
Reinigung wird noch immer häufig vor allem über den Preis eingekauft.
Wer bei Ausschreibungen jedoch permanent auf den billigsten Quadratmeterpreis schielt, darf sich anschließend nicht wundern, wenn Personal unter Zeitdruck arbeitet, Leistungen ausgedünnt werden oder die versprochene Qualität kaum erreichbar ist.
Technologie kann Prozesse verbessern. Robotik kann bestimmte Arbeiten übernehmen. Digitalisierung kann Zeit sparen.
Aber keine dieser Lösungen ändert die Grundrechnung:
Gute Reinigungsleistung braucht ausreichend Zeit, geeignetes Material und qualifiziertes Personal – und all das kostet Geld.
Der Mensch verschwindet keineswegs aus der Rechnung
Bemerkenswert ist deshalb, wie viel Raum das Fachprogramm dem Thema Personal gibt.
Mitarbeitergewinnung, digitale Weiterbildung, Mitarbeiterbindung, Onboarding und Ergonomie gehören zu den angekündigten Themen. Ein Vortrag beschäftigt sich ausdrücklich damit, wie Gebäudereiniger über „digitale Mundpropaganda“ neue Mitarbeiter gewinnen können. (CLEAN PRO EXPO)
Darin steckt eine gewisse Ironie.
Seit Jahren wird darüber gesprochen, welche Arbeiten Roboter künftig übernehmen könnten. Gleichzeitig suchen Unternehmen weiterhin händeringend Menschen.
Der technologische Fortschritt macht Beschäftigte bislang also keineswegs überflüssig. Vielmehr wächst der Druck, menschliche Arbeit dort einzusetzen, wo sie tatsächlich gebraucht wird, und repetitive Aufgaben stärker zu automatisieren.
Das könnte langfristig sogar dazu beitragen, Arbeit in der Gebäudereinigung attraktiver zu machen – vorausgesetzt, technische Unterstützung wird tatsächlich als Unterstützung eingesetzt und nicht bloß dazu, noch höhere Leistungswerte aus den Beschäftigten herauszuholen.
Nachhaltigkeit muss im Betriebsalltag funktionieren
Auch Nachhaltigkeit bekommt in Friedrichshafen einen größeren Platz. Im Fachprogramm stehen Ressourceneffizienz, der effiziente Einsatz chemischer Reinigungsmittel und die Net-Zero-Transformation der Branche. Die Messe arbeitet dazu unter anderem mit „The Earth Circle“ zusammen. (CLEAN PRO EXPO)
Für Gebäudereiniger wird dabei vor allem entscheidend sein, ob nachhaltige Lösungen praktisch und wirtschaftlich funktionieren.
Weniger Chemie, niedrigere Dosierungen, langlebigere Geräte, geringerer Wasserverbrauch oder effizientere Fahrten können ökologische Vorteile mit sinkenden Betriebskosten verbinden.
Damit wird Nachhaltigkeit wesentlich interessanter als dort, wo lediglich Verpackungen grün eingefärbt und anschließend mit einem Blatt dekoriert werden.
Bekannte Namen und neue Technik
Rund 150 Unternehmen sollen bei der Premiere vertreten sein. Zu den angekündigten Ausstellern gehören unter anderem Wetrok, Sprintus, Nilfisk, Numatic, igefa, Johannes Kiehl, Zvoove Clean, Highclean Group, mobiloclean und Vogt. Das Ausstellungsspektrum reicht von maschineller und manueller Reinigungstechnik über Reinigungschemie und Sanitärtechnik bis zu Automatisierung, Software, Arbeitsschutz und Umweltmanagement. (CLEAN PRO EXPO)
Damit ist die Messe deutlich breiter angelegt als eine reine Maschinenschau.
Ob sie sich langfristig im ohnehin gut bestückten Messekalender der Reinigungsbranche etablieren kann, muss ihre Premiere allerdings erst zeigen. Gute Lage, namhafte Aussteller und aktuelle Themen sind ein Anfang. Entscheidend wird sein, ob daraus für Besucher tatsächlich genug Praxisnutzen entsteht.
Die Branche muss gleichzeitig an vielen Baustellen arbeiten
Vielleicht ist genau das die interessanteste Botschaft der ersten Clean Pro Expo.
Es gibt derzeit nicht die eine große Entwicklung in der Gebäudereinigung.
Es passieren mehrere gleichzeitig.
Maschinen werden autonomer. Software übernimmt immer mehr Organisation. KI erreicht Kalkulation und Verwaltung. Nachhaltigkeit wird zum Kostenfaktor und Wettbewerbsthema. Gleichzeitig fehlen Beschäftigte, Löhne steigen und Auftraggeber erwarten hohe Qualität zu Preisen, die nicht immer mit diesen Erwartungen Schritt halten.
Die Zukunft der Gebäudereinigung wird deshalb vermutlich weder vollautomatisch noch vollständig digital.
Sie wird vielmehr darin bestehen, Technik, Personal und wirtschaftliche Realität so zusammenzubringen, dass am Ende tatsächlich noch vernünftig gereinigt werden kann.
Ob Friedrichshafen dafür schon alle Antworten liefert, darf bezweifelt werden.
Aber die richtigen Fragen stehen jedenfalls im Programm.
Clean Pro Expo 2026 – die wichtigsten Daten
Termin: 15. bis 17. September 2026
Ort: Messe Friedrichshafen
Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch 10 bis 17 Uhr, Donnerstag 10 bis 15 Uhr
Zugang: reine Fachbesuchermesse, Online-Ticket erforderlich. Wer keinen Ticketcode besitzt, kann sich laut Veranstalter kostenfrei als Fachbesucher registrieren und einen Tages-Ticketcode anfordern. (CLEAN PRO EXPO)
Weitere Informationen: www.cleanpro-expo.de
Bilder: Clean Pro Expo 2026, Bild 3 (Tablet, digital) und Bild 4 (Leistungsverzeichnis) KI-generiert






















