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Aus dem Alltag einer Gebäudereinigung


Gebudereinigerin
Gebudereinigerin

Bei einer Gebäudereinigung kann so ziemlich alles passieren – außer Langeweile

 

Karina Lohmann ist Inhaberin einer kleinen Gebäudereinigungsfirma in München. Dienstag morgen, 8:00 Uhr, ein ganz normaler Arbeitstag erwartet sie. Keine Katastrophen in den letzten Tagen, also geht sie entspannt ans Werk. Los geht’s:

 

Eigentlich will sie sich in Ruhe erst einmal den Einsatzplan für heute anschauen, sich auf den Tag einstellen. Doch kaum im Büro, klingelt auch schon das Telefon.

 

Eine junge Frau sucht einen Job als Reinigungskraft. Frau Lohmann weißt darauf hin, dass es derzeit keinen Bedarf gibt. Die junge Frau beharrt, sie hat doch schon viel Erfahrung, ist verlässlich, braucht dringend Arbeit. „Nein, wir brauchen gerade wirklich niemanden“, es geht noch ein bisschen hin und her, bis die Anruferin schließlich auflegt.

Okay, Zeit für einen Blick auf den Einsatzplan: Für heute scheint alles durchorganisiert zu sein, insgesamt werden durch Karina Lohmanns Firma heute 17 unterschiedliche Objekte gereinigt, 11 davon sind fortlaufende Aufträge, die von mehr oder weniger zuverlässigen Mitarbeitern betreut werden, die restlichen 6 Objekte sind Baureinigungen, eine große Fensterreinigung und eine Grundreinigung in einer Firma, in der am Vortag eine Veranstaltung stattgefunden hat – alles überschaubare Aufträge.

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Eine junge Frau sucht einen Job als Reinigungskraft. Frau Lohmann weißt darauf hin, dass es derzeit keinen Bedarf gibt. Die junge Frau beharrt, sie hat doch schon viel Erfahrung, ist verlässlich, braucht dringend Arbeit. „Nein, wir brauchen gerade wirklich niemanden“, es geht noch ein bisschen hin und her, bis die Anruferin schließlich auflegt.

Okay, Zeit für einen Blick auf den Einsatzplan: Für heute scheint alles durchorganisiert zu sein, insgesamt werden durch Karina Lohmanns Firma heute 17 unterschiedliche Objekte gereinigt, 11 davon sind fortlaufende Aufträge, die von mehr oder weniger zuverlässigen Mitarbeitern betreut werden, die restlichen 6 Objekte sind Baureinigungen, eine große Fensterreinigung und eine Grundreinigung in einer Firma, in der am Vortag eine Veranstaltung stattgefunden hat – alles überschaubare Aufträge.

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8:18 wieder klingelt das Telefon. Die Leiterin eines Kindergartens ist dran, eindeutig genervt. Die Einrichtung ist nicht ordentlich gereinigt worden, überall wurde etwas vergessen oder schlampig geputzt. Der Geschirrspüler in der Teeküche ist nicht ausgeräumt, der Boden in einer Gruppe nur notdürftig gewischt, die WCs nicht richtig sauber. Hhhmm, eigentlich gehört dieser Kindergarten zu den Objekten, die von einem zuverlässigen Paar gereinigt werden, was da wohl schief gegangen ist? Frau Lohmann entschuldigt sich bei der Kindergarten-Leiterin, verspricht aufzuklären, was passiert ist und gewährt einen Preisnachlass für die Versäumnisse. Nun ist Ursachenklärung angesagt: Anruf bei dem Paar, das den Kindergarten putzt. Es geht aber niemand dran – ok, das muss bis später warten.

 

Um 9:30 steht eine Objektbesichtigung an, bis dahin bleibt noch Zeit für eine Ausschreibung. Frau Lohmann wendet sich dem Leistungsverzeichnis für ein mittelgroßes Büroobjekt zu. 14 Seiten sind auszufüllen, sie kommt bis Seite 3, dann muss sie auch schon zur Objektbesichtigung. Es geht um ein neues Firmengebäude, 22 Büroeinheiten, 4 Küchen, 7 Sanitärbereiche, 2 Konferenzräume. Ein schönes Objekt, wochentäglich zu reinigen, es klingt nach einem wünschenswerten Auftrag. Doch bei der Besichtigung wird schnell klar, dass der Auftraggeber vor allem auf einen Schnäppchenpreis aus ist. Seine Vorstellungen, in wie vielen Stunden das Gebäude gereinigt werden kann, klingen absolut unrealistisch, auch will er die vierteljährlich anfallende Glasreinigung für einen lächerlich geringen Betrag erledigt sehen. Frau Lohmann weiß, es war Zeitverschwendung hierher gekommen zu sein.

 

Gegen 11:15 Uhr ist sie wieder im Büro, der Anrufbeantworter blinkt, mal wieder ist es Mitarbeiter V., diesmal hat er angeblich eine Magen-Darm-Grippe, er kann nicht wie vereinbart um 12:00 bei der Bauendreinigung sein, ach ja, und wahrscheinlich fällt er auch den Rest der Woche aus. Nun heißt es improvisieren. Frau Lohmann schaut in ihrer Kartei nach, wer diese Woche noch verfügbar sein könnte. Zwei Anrufe bringen nicht den erhofften Ersatz, also muss sie erstmal für heute sorgen. Mitarbeiter B. ist eigentlich für einen Privathaushalt eingeteilt, also muss dieser Termin verschoben werden. Anruf bei der Auftraggeberin, sie ist natürlich von der Verschiebung nicht begeistert, aber akzeptiert, dass sie noch einen Tag warten muss. Dann Anruf bei B. Er muss sich schnellstmöglich auf die Baustelle begeben, aber vorher noch die entsprechenden Materialien am Lager abholen. Anruf auf der Baustelle, dass der Mitarbeiter leider etwas später kommen wird. Kurz darauf ist B. da, gemeinsam mit ihm belädt Karina Lohmann seinen Wagen mit den benötigten Materialien.

 

Mittagszeit, eigentlich Zeit für eine Stärkung, aber sich Zeit für das Essen zu nehmen, wird heute mal wieder nichts. Schnell nebenher was gegessen und endlich Muse, sich wieder der Ausschreibung zu widmen. Konzentriert macht sich Karina Lohmann an die nächsten 11 Seiten des Leistungsverzeichnisses, gut, dass es um die Mittagszeit mal ein bisschen ruhiger ist. Zwischendrin kommt zwar mal wieder ein Anruf von einer Arbeitssuchenden, aber der ist schnell erledigt und so gelingt es Frau Lohmann tatsächlich die Ausschreibung bis 13:30 fertigzustellen und rauszufaxen. Dabei sieht sie, dass sich am Fax schon so einiges an neuer Arbeit für sie angesammelt hat, u.a. eine weitere Aufforderung zur Angebotsabgabe, die sie sich auf Wiedervorlage für morgen legt. Außerdem ist der Bericht zu einer Abnahmebegehung, bei der noch ein paar Dinge beanstandet wurden, angekommen. Die Nachreinigung wurde zum Glück vom Objektleiter schon fertiggestellt und freigegeben, also muss sie den Bericht nur noch auf Richtigkeit überprüfen und unterschrieben zurückfaxen – kein großer Aufwand.

 

Kurz darauf steht auch schon Mitarbeiterin D. vor der Tür, sie bringt ihre Stundenzettel und möchte wie so oft über eine Lohnerhöhung sprechen. Dabei gehört sie zu denjenigen, bei denen man immer mal wieder hinterher sein muss, gerne 'vergisst' sie mal den ein oder anderen Papierkorb zu leeren, Fensterbänke abzustauben oder alle Tische abzuwischen. Und der Auftraggeber, bei dem Frau D. arbeitet, hat auch schon hier und da Zweifel an den Angaben auf ihrem Stundenzettel geäußert. Frau Lohmann erklärt ihr also, warum sie die Lohnerhöhung für unangemessen hält, doch so leicht lässt sich Frau D. nicht abweisen. Es kommt zu einer zeit- und nervenraubenden Diskussion.

 

Zwischendrin meldet sich ein anderer Mitarbeiter, er ist sich unsicher, wie er Kleber auf dem PVC-Boden einer Schule entfernen soll. Frau Lohmann empfiehlt ihm einen speziellen Entferner zu verwenden, aber den muss der Mitarbeiter erst einmal besorgen. „Und bitte an die Rechnung denken“, sagt Frau Lohmann noch, den strengen Blick ihrer Buchhalterin vor ihrem geistigen Auge. Apropos Buchhaltung, Rechnungen müssen ja auch noch geschrieben werden... Morgen!

 

16:00 Uhr, einer der Objektleiter kommt zur Lagebesprechung ins Büro. Es wird über ein paar Probleme mit Auftraggebern und Personal gesprochen, was die nächsten Tage zu erledigen ist und was an Material gebraucht wird. Gemeinsam mit dem Objektleiter geht Frau Lohmann ins Lager, die Materialien werden rausgelegt und der Bestand nochmal gecheckt, es muss mal wieder einiges nachbestellt werden.

 

Zurück in ihrem Büro versucht Frau Lohmann nochmal das Paar zu erreichen, über das es heute morgen die Beschwerde aus dem Kindergarten gab. Sie sind jetzt zu Hause. Was denn da heute los war, warum der Kindergarten nicht ordentlich geputzt war, will Frau Lohmann wissen. Die Frau hatte Kopfweh, konnte heute nicht mit zur Arbeit, also musste der Mann alles alleine erledigen. Okay, das nächste Mal aber bitte Bescheid sagen, wenn es solche Probleme gibt.

 

17:00 Uhr, eigentlich wollte sich jetzt ein neuer Subunternehmer vorstellen. Er hat in den letzten Wochen mehrfach um einen Termin gebeten und dabei immer wieder betont, wie gewissenhaft und erfahren er arbeitet. Mit der Pünktlichkeit scheint er es aber nicht so zu haben. Also wendet sich Frau Lohmann schonmal der Vorbereitung auf den morgigen Tag zu. Da tut sich wieder die Frage auf, wer ab morgen die verwaiste Baustelle betreut. Vielleicht ist ja Mitarbeiter H. bereit, noch einen zweiten Auftrag anzunehmen? Karina Lohmann ruft ihn an und kann ihn überreden für den Rest der Woche auch noch die Baustelle zu übernehmen. Für die Extraaufgabe bekommt er dann auch einen etwas höheren Stundenlohn, Einsatz soll schließlich belohnt werden.

 

Nun nochmal alle anderen Objekte für morgen durchchecken – ja, schaut gut aus, das sollte passen. Morgen wartet also wieder ein ganz normaler Arbeitstag auf die Gebäudereinigerin Karina Lohmann. Ach ja, und vielleicht kommt dann ja auch der verlässliche Subunternehmer vorbei, auf den sie bis jetzt vergeblich gewartet hat!

 

Wie sieht Ihr Gebäudereiniger-Alltag aus? Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

 

Bild: © absolutimages - Fotolia.com

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10.03.2015
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