17 Euro gefordert, kein Angebot: Tarifrunde in der Gebäudereinigung festgefahren
17 Euro pro Stunde für die Unterhaltsreinigung, 20,40 Euro für die Glas- und Fassadenreinigung: Mit dieser Forderung ist die IG BAU in die diesjährige Tarifrunde des Gebäudereiniger-Handwerks gegangen. Die erste Verhandlungsrunde am 9. September endete jedoch ohne Ergebnis. Die Arbeitgeber legten kein Angebot vor und weisen die Forderung als wirtschaftlich nicht darstellbar zurück. Am 22. Oktober wird in Köln weiterverhandelt.
Zwei Euro mehr pro Stunde – und zwar für alle Lohngruppen. Mit dieser Forderung ist die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, kurz IG BAU, in die Tarifverhandlungen für das Gebäudereiniger-Handwerk gestartet. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll nach dem Willen der Gewerkschaft zwölf Monate betragen.
Für Beschäftigte der Lohngruppe 1, zu der unter anderem die Innen- und Unterhaltsreinigung gehört, würde das einen Sprung von derzeit 15 auf 17 Euro pro Stunde bedeuten. In der Lohngruppe 6, zu der die Glas- und Fassadenreinigung zählt, soll der Stundenlohn von derzeit 18,40 auf 20,40 Euro steigen. Beide Lohngruppen sind als Branchenmindestlöhne allgemeinverbindlich.
Festbetrag statt Prozente
Bemerkenswert ist vor allem die Konstruktion der Forderung. Die IG BAU verlangt keine prozentuale Erhöhung, sondern einen einheitlichen Festbetrag von zwei Euro. Damit würden vor allem die unteren Lohngruppen prozentual stärker profitieren. In Lohngruppe 1 entspräche die Erhöhung gut 13,3 Prozent, in Lohngruppe 6 knapp 10,9 Prozent.
Genau diese Größenordnung stößt auf Arbeitgeberseite auf Widerstand. Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks, BIV, hatte die Forderung bereits im Juni zurückgewiesen. Er verweist auf eine schwache wirtschaftliche Entwicklung, gestiegene Kosten und eine nachlassende Nachfrage.
Erste Runde nach drei Stunden beendet
Am 9. September trafen sich beide Seiten in Düsseldorf zur ersten Verhandlungsrunde. Eine Annäherung gab es nicht.
Die IG BAU hielt an ihrer Forderung nach zwei Euro mehr pro Stunde fest. Die Arbeitgeberseite legte kein Gegenangebot vor. Nach Angaben des BIV war die Sitzung nach rund drei Stunden beendet. Die zweite Tarifrunde ist für den 22. Oktober in Köln angesetzt.
Die Bewertung des Verlaufs fällt naturgemäß unterschiedlich aus. Die IG BAU kritisiert, die Arbeitgeber verwiesen vor allem darauf, dass Kunden höhere Preise für Reinigungsleistungen nicht akzeptieren würden. Aus Sicht der Gewerkschaft zeigt genau das, dass Reinigungsarbeit zu billig verkauft werde.
Der BIV wiederum spricht von einer „starren Haltung“ der Gewerkschaft und hält eine Lohnerhöhung von mehr als 13 Prozent in der beschäftigungsstärksten Lohngruppe angesichts der wirtschaftlichen Lage für nicht finanzierbar.
Damit ist der zentrale Konflikt klar umrissen: Höhere Löhne müssen in einer personalintensiven Branche irgendwo finanziert werden – und damit geraten zwangsläufig auch die Preise gegenüber den Auftraggebern in den Blick.
Der Abstand zum gesetzlichen Mindestlohn schrumpft
Für die Gewerkschaft kommt noch ein weiteres Argument hinzu: Der Abstand zwischen Branchenmindestlohn und gesetzlichem Mindestlohn wird kleiner.
Seit dem 1. Januar 2026 beträgt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland 13,90 Euro pro Stunde. Der Branchenmindestlohn der Gebäudereinigung liegt mit 15 Euro damit 1,10 Euro darüber. Zum 1. Januar 2027 steigt der gesetzliche Mindestlohn auf 14,60 Euro. Würde der Branchenmindestlohn unverändert bleiben, läge der Abstand nur noch bei 40 Cent.
Das ist mehr als ein Zahlenspiel. Ein Branchenmindestlohn soll auch die besonderen Anforderungen einer Branche abbilden. Wenn der Abstand zur allgemeinen gesetzlichen Lohnuntergrenze nahezu verschwindet, stellt sich zwangsläufig die Frage, welchen tariflichen Mehrwert er noch bietet. Die Forderung nach 17 Euro würde diesen Abstand wieder deutlich vergrößern.
Nicht nur der Lohn sorgt für Unmut
Dass es den Beschäftigten nicht ausschließlich ums Geld geht, zeigen auch Veranstaltungen und Betriebsversammlungen im Umfeld der Tarifrunde. Die IG BAU nennt neben der Entlohnung immer wieder Arbeitsverdichtung, Zeitdruck und Eingruppierung als Themen des Arbeitsalltags.
Auch hier hängen Arbeitsbedingungen und wirtschaftliche Realität eng zusammen. Werden Reinigungszeiten immer knapper kalkuliert, steigt der Druck auf Beschäftigte. Gleichzeitig geraten Unternehmen selbst unter Druck, wenn Ausschreibungen stark über den Preis entschieden werden.
Damit dreht sich die Debatte letztlich nicht allein um die Frage, was ein Arbeitgeber zahlen kann. Sie berührt auch die Frage, was Auftraggeber bereit sind, für professionelle Reinigungsleistungen zu bezahlen.
Am 22. Oktober geht es weiter
Die erste Tarifrunde hat vor allem eines gezeigt: Die Ausgangspositionen liegen weit auseinander. Die IG BAU hält an ihrer Forderung nach zwei Euro mehr pro Stunde und zwölf Monaten Laufzeit fest. Die Arbeitgeberseite weist diese Forderung weiterhin zurück und hat bislang kein eigenes Angebot vorgelegt.
Am 22. Oktober treffen sich beide Seiten zur zweiten Runde in Köln. Bis dahin bleibt die entscheidende Frage dieselbe: Wie viel darf professionelle Reinigung kosten – und wer ist bereit, diesen Preis zu bezahlen?
Bild: KI-generiert
Redaktion
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